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Mauerdenkmal für Lüdinghausen

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Ruth Weiss in Lüdinghausen

Berichte zu den Veranstaltungen mit Ruth Weiss
am Montag, 11. November 2019

Bild Veranstaltung Ruth Weiss

„…, als ob ich gar nicht weggegangen bin!“

Ruth Weiss besuchte mal wieder Lüdinghausen, wo sie rund 10 Jahre verbracht hat, bevor sie vor drei Jahren zu ihrem Sohn und seiner Familie im Norden Dänemarks umzog. Bei Ihrer Lesung am 11. November in den Friedensräumen stellte sie am Beispiel zweier Kurzgeschichten aus ihrem Buch „Die Reise nach Garberone“ den Rassismus und seine Formen der Ausgrenzung im Alltag heraus. „Vergiss den Stammbaum“ zeigt die Erfahrung eines jungen Arztes in den 1960er Jahren auf, dessen sehr gute geschichtliche Auftragsaufarbeitung der Gesellschaft der Hämatologie nicht veröffentlicht werden sollte, weil sie zu stark die Rolle der jüdischen Mitglieder herausstellt, die aber entscheidend an der Entstehung mitgewirkt haben. Das Fazit der Autorin in der Geschichte: “Sie leiden eben an einer Krankheit, die nicht einmal die Zeit heilen kann.“

Die jüdische Autorin, die selbst als Kind in den Anfangsjahren der Nazi-Zeit die Leiden von Ausgrenzung erfahren musste und dann mit ihrer Familie nach Südafrika auswanderte, schilderte in einer weiteren Geschichte, „Philemon“, alltäglichen Rassismus nun in ihrer neuen Heimat. Im Betrieb der Autorin arbeitete als „Teaboy“ „Philemon“. Der junge Mann verliert an seiner vorherigen Arbeitsstelle einen Arm, als er von einem weißen Mitarbeiter in eine Maschine gestoßen wird. Rechtsanspruch auf eine Entschädigung gab es für einen Schwarzen nicht. Und natürlich wird dem jungen „Teaboy“ umgehend die Schuld im jetzigen Betrieb zugesprochen, als Geld in einer Kasse fehlt. Die Geschichte zeigt aber auch, dass es möglich ist, Freundschaft zu schließen und den sonst oft eher verschlossenen Geheimnissen „der Anderen“ näher zu kommen.

Eine intensive Fragerunde schloss sich der Lesung an. Die ehemalige Journalistin brachte ihre Sorge zum Ausdruck über die aktuellen antisemitischen Tendenzen in Deutschland, forderte die Regierung auf, mehr gegen den Trend vorzugehen, drückte aber auch ihre Freude aus darüber, wieder unter Freunden zu sein.
„Es fühlt sich an, als ob ich gar nicht weggegangen bin.“

Rechtzeitig gegen Ausgrenzung

Bereits am Vormittag sprach die Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss vor Schülerinnen und Schülern des Antonius Gymnasiums.
Ist der 9. November für die Deutschen heute wegen des Mauerfalls vorrangig ein Tag der Freude, ist es für sie als Jüdin besonders Erinnerung an schlimme Jugenderinnerungen, hier speziell die Reichsprogromnacht. Die Autorin hat in der Zeit, als sie gut 10 Jahre in Lüdinghausen lebte, bevor sie vor drei Jahren zu ihrem Sohn in den Norden Dänemarks zog, viel über ihre Kindheits- und Lebenserfahrungen, die sie in Büchern festgehalten hat, berichtet. Einen besonderen Schwerpunkt ihres Wirkens bildete die Mitarbeit im Kreis derjenigen, die mit sogenannten „Stolpersteinen“ an jüdische Mitbürger in Lüdinghausen erinnerten.

Heute standen ihre persönlichen Erfahrungen als Kind im Vordergrund. Eine schöne Kindheit endete mit Beginn der Nazi-Herrschaft urplötzlich. Eindrucksvoll schilderte sie, wie sich nicht nur Lehrer in der Schule abwandten, sondern besonders auch ihre Schulkameradinnen. Der Verlust der Freundschaften war für sie als Kind prägend, so dass sie in der Emigration ihrer nach Südafrika eine Hoffnung sah. Aber bereits frühe Erfahrungen mit der Rassenhierarchie der Apartheid im neuen Heimatland verstärkten ihre Bereitschaft, sich den Erwartungen zu widersetzen und sich verstärkt gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einzusetzen. Sie ist dem Auftrag ihr Leben lang treu geblieben.

Beeindruckende Fragen von Schülerinnen beendeten diese eindrucksvolle Veranstaltung. Die Frage nach dem einprägsamsten Bild in ihrer Erinnerung beantwortete die Autorin mit einer Begegnung von 25 Hitlerjungen bei einem Besuch der Nazihochburg Nürnberg. Die Jugendlichen, die sie nicht bemerkten, grölten „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt...“. Bleibt zu hoffen, dass sich die jugendlichen Schüler und Schülerinnen spätestens dann an diese Aussage erinnern, wenn sie aktuell von den Aufmärschen von NPD Gruppierungen hören, und ihnen deutlich wird, dass man rechtzeitig gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Stellung bezieht.

Wissenswertes zu Ruth Weiss so ganz nebenbei

Vor der Büste von Josef Holtermann, dem ehemaligen Bürgermeister von Lüdinghausen und einem Menschen, der den Fragen nach Gerechtigkeit und Frieden stets nahe war, trafen sich zwei Zeitzeugen der Nazi-Zeit.

Johannes Suttrup, heute 98 Jahre alt, ist gern gesehener Gast bei Gruppierungen, wenn es um die Erfahrungen eines deutschen Kindes und Jugendlichen aus dieser Zeit geht. Mit Ruth Weiss, heute 95 Jahre alt, kommt die Perspektive des Kindes ins Spiel, das als Kind jüdischer Eltern die Verfolgung direkt erleben musste.

Dass sich die beiden Zeitzeugen in den 10 Jahren, wo Ruh Weiss in Lüdinghausen lebte, nicht begegnet sind, erstaunt, soll nun aber bei einem nächsten Besuch von Ruth Weiss in Lüdinghausen nachgeholt werden. Das wird sicherlich eine höchst interessante und informative Veranstaltung.

.... und noch etwas zu Ruth Weiss so ganz nebenbei

„Die Deutsche Afrika Stiftung verneigt sich vor Ihrem Lebenswerk und hofft, dass Ihre Worte noch viele erreichen!“ Mit diesem Satz schloss die Präsidentin der Deutschen Afrika Stiftung, die Parlamentarische Staatssekretärin a. D. Uschi Eid, ihre Lobrede auf die Journalistin und Schriftstellerin Ruth Weiss ab, als sie ihr den Ehrenpreis der Deutschen Afrika Stiftung am 11. Dezember 2019 in Berlin überreichte.

Zur Ehrung im Berliner Abgeordnetenhaus waren auch einige Lüdinghauser geladen.

Der Titel "Grande Dame" der Afrika-Berichterstattung fiel an diesem Abend oft. Er verdeutlicht den Ruf einer Journalistin, deren jahrzehntelange Berichterstattung für verschiedene deutsche und internationale Medien über und aus Afrika gerade in den Zeiten des Übergangs zur Eigenständigkeit hoch geachtet war.

Ruth Weiss traf bedeutende Persönlichkeiten der afrikanischen Unabhängigkeitsbewegungen und hat mit ihrer Berichterstattung einen steten Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung geführt. Seit Mitte der 70er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts hat die heute als Schriftstellerin tätige 95-Jährige die Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden Lüdinghausen e.V. und auch die Kirchengemeinden - die Beziehungen zu sambischen Partnern unterhalten - mit wesentlichen Impulsen in ihrer Arbeit unterstützt.

Trotz ihres hohen Alters reist die jetzt Geehrte weiterhin durch Europa und versucht die aus ihrem Leben gezogenen Lehren nicht nur an junge Leute weiterzugeben.

Wissenswertes über die Friedensräume

Von diesem eher ungewöhnlichen Ort, dem ehemaligen Ladenlokal einer Apotheke, gehen Impulse zu weltweit sozialen Aktivitäten aus. Die Friedensräume, wesentlich gesponsert durch eine langjährige Unterstützerin der Aktivitäten des Vereins, bieten ein ideales Umfeld für die Organisation und die zahlreichen Aktivitäten des Vereins.

Der Ort ist der Treffpunkt für Planungen, Organisation und Informationen. Menschen aus der ganzen Welt begegnen sich hier und lernen sich kennen. Ideen für Stadtfeste wurden gemeinschaftlich angedacht, und vieles andere mehr ......

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Umbaumaßnahmen in 2018

Die Menschenrechtsorganisation ACAT (Aktion der Christen zur Abschaffung der Folter), mit denen wir uns jahrelang die Friedensräume teilten, hatte ihre Geschäftsstelle verlegt. Dies bot uns nun die Möglichkeit, unsere teilweise beengten Räumlichkeiten großzügiger zu gestalten.

Hierzu war es nötig, eine Zwischenwand großteils herauszunehmen und sie durch eine großzügige Schiebetür zu ersetzen, so dass für unterschiedliche Veranstaltungen mehr Platz zur Verfügung steht. Der Raum kann seitdem für verstärkt anfallende kleinere Angebote (z.B. für Schulungen u.ä.) auch der Situation angemessen entsprechend genutzt werden kann. Ein wenig Farbe lockert die Räumlichkeiten angenehm auf, die gewonnene Offenheit schafft eine lockerere Atmosphäre.

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Nachdem ein Großteil der Zwischenwand
von einer Fachfirma herausgebrochen und
entsorgt worden war, erledigten Asylsuchende
die weiteren anfallenden Renovierungsarbeiten.

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