Den Auftakt zum Friedensfest bildete ein Diskussionsabend im Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Lüdinghausen.
Roland Grund als Schirmherr der GuF eröffnete das Fest des Friedens offiziell, Bürgermeister Ansgar Mertens und Pfarrer Benedikt Elshoff schufen den regionalen Diskussionsrahmen und Bezug des Themas zu Lüdinghausen. Sachlich, unaufgeregt und inhaltlich versiert führte Dr. Yvonne Beerenbrock durch ein Programm, das drängende Fragen der Friedens- und Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt rückte.

Den Auftakt der inhaltlichen Beiträge bildete ein rational-strategischer Impuls von Prof. Dr. Johannes Varwick zum Thema Sicherheitspolitik. Im Fokus stand dabei die Erkenntnis, dass nachhaltige Sicherheit auf Balance angewiesen ist: Verteidigungsfähigkeit und diplomatisches Handeln schließen sich nicht aus, sondern verlangen besonnene, strategische Abwägungen anstelle kurzfristiger Eskalationsdynamiken.
Dem folgte mit dem Vortrag von Dr. Ruth-Gaby Vermot-Mangold („Sie können Krieg – wir können auch Frieden“) ein gezielter Perspektivwechsel. Ihr Beitrag lieferte eine radikale, erfahrungsbasierte Sichtweise auf Konflikte aus der Perspektive von Frauen und stellte gewohnte Muster der Konfliktbewältigung konsequent infrage.

In der anschließenden, von Dr. Yvonne Beerenbrock geleiteten und durch Reinhard Burkhard, einem langjährigen hochrangigem Mitglied a.D. der Bundeswehr, komplettierten Podiumsdiskussion, wurden diese unterschiedlichen Ansatzpunkte zusammengeführt. Trotz der gegensätzlichen Positionen prägte der spürbare Wille aller Beteiligten den Diskurs, einander näherzukommen, Einwürfe konstruktiv einzuordnen und den offenen Austausch zu suchen. Den Abschluss fand dr Abend in einer angeregten Frage-und Antwortrunde mit dem Plenum.

Neben dem breiten inhaltlichen Spektrum und vielfältigen Anregungen zum Nachdenken und Handeln kristallisierten sich „fünf Take Aways des Abends“ heraus, die uns für unsere weitere Arbeit Orientierung, Freude und Kraft in unseren Aktivitäten und einen sich abzeichnenden Lösungsrahmen in unserer Friedensarbeit vor Ort mitgaben.
Die 5 Take Aways des Abends
- Peace matters!
Das Thema Frieden ist komplex, realpolitisch verfahren und verlangt dauerhafte Aufmerksamkeit. Die ansprechende Besucherzahl, ca. 80 Interessierte, zeigt: Das Bedürfnis nach Dialog, eigener Meinungsbildung und dem Setzen von Zeichen – ganz gleich wie klein sie sein mögen – bewegt viele Menschen tief und lädt sie zum Mitwirken ein
- Veränderung beginnt bei der eigenen Haltung
Frieden erfordert den aktiven Einsatz konkreter Handlungsinstrumente im Umgang miteinander: Zuhören, Dialogfähigkeit, Streitbarkeit, Resilienz sowie die Akzeptanz abweichender Meinungen und Emotionen. Nur wer Frieden zum eigenen Anliegen macht und mitgestaltet, erwirkt langfristig Veränderung. In Zeiten von Fake News und hektischem Turbojournalismus müssen wir uns wieder auf diese scheinbar einfachen Grundtugenden zurückbesinnen und diese konsequent leben.
- Regionale Verankerung stärkt Eigenwirksamkeit
Das gemeinsame Diskutieren physisch vor Ort nimmt Menschen in ihrer Angst, Wut und Unentschlossenheit ernst. Empathie und Verständnis im unmittelbaren Umfeld aufzubauen ist kein naiver Ansatz, sondern ein zentraler Lösungsschlüssel: Handlungsorientierte Impulse aus dem lokalen Raum prägen maßgeblich die gesellschaftliche Friedensentwicklung.
- Friedensarbeit besitzt viele Facetten und ermöglicht vielfältige Lösungen
Die Lösungsansätze reichen von rational-politischen Abwägungen bis hin zu zutiefst menschlichen, erfahrungsbasierten Perspektiven. Obwohl diese Vielfalt auf den ersten Blick unübersichtlich wirkt, ermöglicht gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Standpunkte neue Dimensionen des Nachdenkens und Handelns.
- Diskurs als Lösungsansatz und Lösungsinsel
Resilienz und Toleranz schaffen Räume, in denen eigene Positionen kontextualisiert und Drittperspektiven integriert werden können. Das Aufspannen eines konstruktiven Debattenraums ermöglicht es, trotz unterschiedlicher Paradigmen gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden.

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